Ein Amerikaner bei Guitarreria Ottenschlag
Peter aus New Jersey

Gitarre bauen erfordert viel Geduld, Ausdauer und Gefühl, Erfahrungen bei der Holz- und Metallbearbeitung, praktische Kenntnisse im Umgang mit verschiedensten Geräten, Präzision beim Arbeiten und Vermessen sowie musikalisches Können.
Gitarre bauen macht aber auch viel Spaß, wie neun Teilnehmer unter der Anleitung von Gitarrenbaumeister Tobias Braun in den beiden letzten Wochen in Ottenschlag feststellen konnten. Bei den Kursen, in den bisher 14 Jahren, war eine internationale Beteiligung durchaus üblich. Teilnehmende aus ganz Europa konnten begrüßt werden. In diesem Jahr hat ein US-Boy den Weg über den Großen Teich nach Ottenschlag gefunden. Peter Cancila war mit großer Begeisterung beim Seminar tätig.
Gitarrenbau-Seminar: Eigenes Instrument fertigen
Erstaunlich sind die Gründe und Wege, die ihn gerade in dieses Seminar geführt haben. „Ich habe bereits selbst eine eigene Gitarre gebaut, das hat aber über ein Jahr gedauert“, berichtete er. Nach seiner Information gibt es in den USA einige Möglichkeiten und Angebote Steel-, Western- und E-Gitarren selbst anzufertigen. Mit dem Wunsch eine klassische Gitarre, kompakt, in möglichst kurzer Zeit und unter bestmöglicher fachmännischer Anleitung herzustellen, machte er sich weltweit auf die Suche.
Maestro mit deutschem Herz und spanischer Note
Peter´s erster Schritt war, jene Spezialisten zu erfassen, welche die von ihm gewünschte Art des Instruments herstellen. Mit Meister Tobias Braun hatte er bald die richtige Person gefunden. Der in Österreich lebende, gebürtige Deutsche gilt in seinem Bereich als Koryphäe, eine herausragende Fachperson und anerkannte Autorität. Seine, meist im traditionellen spanischen Stil gebauten Instrumente werden von Händlern weltweit angeboten und vertrieben.
Gitarrenbau im Waldviertel: Ein Traum wird wahr
Nach einem ersten Kontakt per Mail stellte Peter fest, dass einmal im Jahr in Ottenschlag der von ihm gewünschte Kurs von Tobias Braun durchgeführt wird. Es dauerte aber noch fast zwei Jahre, bis er den Weg ins Waldviertel finden konnte. In den letzten zwei Wochen wurde von ihm und den anderen acht Teilnehmern eine Gitarre nach „Vicente Arias 1889“ gebaut. Dieser große Meister seiner Zeit hat in der Stadt Ciudad Real gelebt.
Regionale Gastfreundschaft begeisterte Teilnehmer
Die Ansprüche an die Gitarrenbauer waren umfangreich. Nach ihren Angaben haben sie viele Stunden intensiv gearbeitet, wurden in Ottenschlag bestens betreut und fühlten sich hier sehr wohl. Tobias Braun: „Wir haben die Produkte der regionalen Koch- Back-, Brau- und Brennkunst genossen, waren im Schloss untergebracht, wurden von Helga Wimmer im Schlossheurigen und von Julia Buchegger in der Café Konditorei Matschiner vorzüglich versorgt und fanden in den Werkräumen der Mittelschule den passenden Arbeitsbereich“.
Regionale Fichtenholz-Entdeckung für Gitarrenbau
Der Gitarrenbaumeister dankte den Gemeindeverantwortlichen für ihre großartige Unterstützung. Die gelungene Einbindung der Gruppe in die Gemeinde und Region wird dadurch deutlich, dass man beim Nachbarn Karl Zottl eine besonders harte Art von Fichtenholz entdeckt hat, die man für das Innenleben der Gitarren verwendet. Unter den Teilnehmern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz waren einige Wiederholer zu finden. Bernhard Ruckelshausen war bereits zum 10. Mal in Ottenschlag tätig.
Stars, Shows und der Mann hinter den Kulissen
Peter Cancila ist wieder nach New Jersey bei New York zurückgekehrt. Er arbeitet dort als Eventmanager in Home-Office für eine Firma in Las Vegas. „Caesars Palace“ ist ein Hotel mit rund 4.000 Betten, einem riesigen Kasino und einem Veranstaltungsbereich, in dem 4.000 Personen Platz finden. Peter sorgt dafür, dass weltberühmte Stars in großen Shows und Events das Publikum begeistern.
Text und Fotos: Dieter Holzer / NÖN
Die Teilnehmer von „Guitarreria Ottenschlag“ mit ihren fast fertigen Gitarren. v.l.: Daniel Jahn Peter Tunkowitsch, Peter Cancila, Alfred Veider, Stephan Hofstetter, Kursleiter Gitarrenbaumeister Tobias Braun, Bernhard Ruckelshausen, Florian Brandstetter, Armin Weisshaupt und Johannes Kellner.