Hans von Hammerstein – Minister, Buchautor und begeisterter Freund von Ottenschlag

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Hans August Freiherr von Hammerstein-Equord war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die in Ottenschlag gerade durch seinen Roman „Wald“ besonders präsent ist. Bei der Lesung von Sabine Maier im Kreativ- und Seminarzentrum Ottilie konnten außerdem besondere Gäste begrüßt werden.

Überraschungsbesuch von Nachfahren der Gründerfamilie Riether bei der Lesung im Kreativ- und Seminarzentrum „Ottilie“. V.l.; Ilian Riether, Lilo Riether, Sabine Maier und Wilfried Riether. - Foto: Dieter Holzer (NÖN)
Überraschungsbesuch von Nachfahren der Gründerfamilie Riether bei der Lesung im Kreativ- und Seminarzentrum „Ottilie“. V.l.; Ilian Riether, Lilo Riether, Sabine Maier und Wilfried Riether.

„Wald“ ist die Geschichte des Sohnes der Schlossbesitzer und spielt in der Zeit rund um 1900 in der Region Ottenschlag. Der Roman wurde von Hans von Hammerstein geschrieben. Er beschreibt Ottenschlag, das Schloss und die Umgebung so genau, dass man glauben könnte, ER sei der Sohn der Schlossbesitzer. Dem war aber nicht so, Hammerstein wurde im Schloss Sitzenthal bei Melk geboren. Es gab aber eine enge Verbindung mit den Grafen Falkenhayn, die damals Besitzer von Schloss Ottenschlag waren.

Literatur aus dem Schützengraben: Ein Roman entsteht

Die aus einem deutschen Adelsgeschlecht stammende Familie Hammerstein kaufte nämlich ihre Residenz von den Grafen Falkenhayn. Die beiden Familien waren seither befreundet und es gab einen regelmäßigen Besuchsverkehr. Hans von Hammerstein wollte immer Schriftsteller werden. Als studierter Jurist wählte er die Beamtenlaufbahn als Brotberuf, um genug Zeit zum Schreiben zu haben. Im ersten Weltkrieg war er als Offizier in der heutigen Ukraine eingesetzt und genau dort schrieb er 1916 dann das Buch. „Wald“ ist wahrscheinlich aus Heimweh entstanden.

Karriereweg: Vom Bezirkshauptmann zum Minister

In den 1920er Jahren hatte er verschiedene sehr ruhige Bezirksposten inne. Im Jahr 1923 wurde er Bezirkshauptmann in Braunau. Anfang 1934 wurde er zum Sicherheitsdirektor von Oberösterreich ernannt und leitete damit alle Polizei- und Sicherheitseinrichtungen. Im Sommer 34 holte ihn der damalige Bundeskanzler Schuschnigg nach Wien, wo er Staatssekretär im Sicherheitsministerium und 1936 ganz kurze Zeit sogar Justizminister wurde.

Vom alten Haus zum literarischen Schatz

Der Autor von „Wald“ hatte also ein sehr bewegtes Leben, das man beim Lesen des Buchs nicht vermuten würde. Bei ihren Nachforschungen über das von ihr erworbene, bereits 500 Jahre alte Haus, hat Sabine Meier von der Existenz dieses Buchs erfahren. Sie konnte vor kurzer Zeit ein Exemplar der Ausgabe von 1923 erwerben und hat Nachdrucke anfertigen lassen, die im Kreativ- und Seminarzentrum „Ottilie“ käuflich erworben werden können.

Unerwarteter Besuch bringt spannende Familiengeschichte mit

Bei ihrer Lesung gab es für Sabine Maier eine große Überraschung. Ihr Haus Oberer Markt 1 (früher Ottenschlag 4) war über 100 Jahre im Besitz der Familie Riether, deren Mitglieder bis ins 20. Jahrhundert hinein als Bürgermeister, Postmeister, Kaufleute, Gründer von Feuerwehr und Sparkasse sowie als Besitzer mehrerer Häuser entscheidend die Geschichte der Gemeinde gestalteten. Einige Nachfahren dieser Familie nutzten die Veranstaltung, um der Hausbesitzerin einen Besuch abzustatten.

Foto & Text: Dieter Holzer / NÖN

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