„Kalter weißer Mann“: Trauerfeier mit Gender-Diskussion
Die Komödie „Kalter weißer Mann“ über eine Trauerfeier, die völlig aus dem Ruder gerät, bot trotz der eigentlich ernsten Situation viel Spaß, Spannung und einen Reinhard Nowak in Hochform.

Die Neue Bühne Wien mit Regisseur Marcus Strahl hat wieder einmal eine geniale Produktion auf die Bühne gebracht. Die Erwartungen waren hoch und die zwei Vorstellungen schon lange ausverkauft, denn die Autoren von „Kalter weißer Mann“, Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, hatten schon vor zwei Jahren mit der Sensationskomödie „Extrawurst“ – ebenfalls mit Reinhard Novak in der Hauptrolle – für Furore in der Kammerbühne gesorgt. Und geboten wurde wieder ein hochpointiertes Stück mit vielen Wendungen, Spannung, anspruchsvollem Spaß und Diskussionsstoff.
Es geht um eine Trauerfeier nach dem Tod des Patriarchen eines mittelständischen Betriebs, die sein designierter Nachfolger (Reinhard Novak) ausrichtet. Doch sein Text auf der Kranzschleife – „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“ – sorgt für heftige Irritation bei den Mitarbeiterinnen, da der neue „alte weiße Mann“ an der Spitze das Gendern vehement ablehnt. Vor dem Theaterpublikum als versammelter Trauergemeinde zerfleischt sich die Führungsriege der Firma immer mehr. Nicht einmal der verzweifelte Pfarrer kann die Wogen glätten.
Die Hauptrolle des neuen Firmenchefs ist Reinhard Novak mit seiner jovialen Art auf den Leib geschneidert. Ebenso brillant agiert sein kongenialer Partner Hubert Wolf („Papa Lutz“ in der Werbung) als Pfarrer. Claudia Rohnefeld, die in der Kammerbühne ebenfalls schon mehrmals zu Gast war, sorgt als naive Sekretärin mit ihren Einwürfen für die meisten Lacher. Die Rolle als Marketing-Leiterin übernahm für die verletzte Verena Scheitz bravourös Adriana Zartl. Alexander Hoffelner spielt den Social-Media-Chef, und Michelle Catherine Härle überzeugt als selbstbewusste Praktikantin mit ihrem Kärntner Akzent – vor allem mit einem packenden Monolog im zweiten Akt.
In dieser mitreißenden Komödie werden die Abgründe und rhetorischen Kniffe der Diskussion zu politisch korrektem „Gendern“ pointenreich aufgezeigt. Schade, dass es nur diese zwei Vorstellungen gab, doch man kann auf ein Revival mit diesem hochkarätigen Ensemble im nächsten Jahr hoffen!
Bericht und Fotos: Reinhard Hofbauer (NÖN)


