Goldenes Ehrenzeichen des Landes NÖ für Dieter Holzer
Ob Wirtschaft, Politik oder Journalismus: Dieter Holzer prägte Ottenschlag und das Waldviertel über Jahrzehnte. Nun wurde er dafür mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich geehrt.
Bericht: NÖN, Sebastian Dangl
Foto: NLK Pfeiffer, NLK Pfeiffer

Vizebürgermeister, Wirtschaftskammer-Obmann, Friseur und seit über 40 Jahren Mitglied der NÖN-Familie – Dieter Holzer war schon vieles in seinem Leben. Seit 9. Dezember ist er auch Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner überreichte ihm die Auszeichnung persönlich im Landhaus St. Pölten – als Anerkennung für sein jahrzehntelanges Engagement in Ottenschlag und darüber hinaus.
Einer der ersten Gratulanten war NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger, der sich bei Holzer für seine mehr als 40-jährige Tätigkeit für die Zwettler NÖN-Ausgabe bedankte. „Es freut mich natürlich sehr, dass mir so eine große Ehre zuteilwird. Ich nehme die Auszeichnung aber auch stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen entgegen, mit denen ich über die Jahre in unterschiedlichen Funktionen zusammengearbeitet habe“, betont Holzer.
Viele seiner großen Funktionen, etwa die Obmannschaft der Zwettler Wirtschaftskammer oder seine Tätigkeit in der Ottenschlager Gemeindepolitik, hat der 72-Jährige mittlerweile zurückgelegt. Nach wie vor ist er jedoch Obmann der Leaderregion „Südliches Waldviertel–Nibelungengau“ und auch als freier Mitarbeiter der NÖN ist der umtriebige Ottenschlager noch immer im gesamten Waldviertler Kernland unterwegs.
Ganz neuer Einblick, was die Region zu bieten hat
„Ich mache das gerne, weil man dabei so viele tolle Menschen und Geschichten kennenlernt“, sagt Holzer. Wo er früher aufgrund seiner Funktionen vor allem mit Wirtschaft und Politik zu tun hatte, sei es bei der NÖN nun insbesondere der Kontakt zu Feuerwehr, Sport und zahlreichen anderen Vereinen, der ihn mit ganz neuen Personengruppen zusammenbringe. „Dabei lernt man erst wirklich, was unsere Region alles zu bieten hat. Ich kann niemanden ernst nehmen, der behauptet, dass sich bei uns nichts tut“, meint Holzer schmunzelnd.
Als Obmann der Leaderregion leistete er selbst einen wesentlichen Beitrag zur positiven Entwicklung des Landes. Bereits seit der Gründung 2002 ist Holzer hier federführend tätig. Beim Förderprogramm „Leader“ geht es um EU-Fördermittel zur Stärkung des ländlichen Raums. In der Region „Südliches Waldviertel–Nibelungengau“ wurden seither über 500 Projekte unterstützt, 20 Millionen Euro an Fördergeldern investiert und über 100 Arbeitsplätze geschaffen.
Auch in der Politik war Holzer viele Jahre aktiv. Schon ab 1985 saß er im Ottenschlager Gemeinderat, war zwei Perioden lang Geschäftsführender Gemeinderat und von 2010 bis 2015 Vizebürgermeister.
Beruf war von Beginn an in die Wiege gelegt
Parallel dazu gelang es ihm, seinen Kunden weiterhin den passenden Haarschnitt zu verpassen. Von 1984 bis zu seiner Pensionierung führte der Friseurmeister einen Salon in Ottenschlag, den er von seinen Eltern übernommen hatte. Als Sohn des Friseurmeister-Ehepaars Josefine und Karl Holzer wurde ihm der Beruf quasi in die Wiege gelegt – und bereitete ihm „bis zum Schluss große Freude“.
Nicht nur im Salon, sondern auch außerhalb sorgte er mit viel Marketinggeschick und spektakulären „Frisurenshows“, etwa beim Sommerfest in Ottenschlag, für Aufsehen. Den Betrieb führt heute in 4. Generation Tochter Simone Siegl.
In jungen Jahren führte ihn sein Beruf tatsächlich weit mehr durch die Welt, als man es einem „gewöhnlichen“ Handwerk zutrauen würde. Als Junggeselle verschlug es Dieter Holzer nach Deutschland. Nach der Meisterprüfung kam er 1976 zum amerikanischen Konzern „S & L“, der mit der Tochterfirma „Essanelle“ zahlreiche Friseursalons in Deutschland betrieb.
Schon früh übernahm Holzer Führungsverantwortung und war an der Expansion von acht auf rund 100 Salons im ganzen Land beteiligt. „Das waren wirklich prägende Jahre, in denen ich viel unterwegs war und auch die Zentrale des Konzerns in New York besuchte“, erinnert er sich.
Fordernder Job belastete Familienleben
Mitte der 1980er-Jahre stand er vor einer schweren Entscheidung. Obwohl der Verdienst beim Konzern gut war, ließ sich der fordernde Job nur schwer mit der Familienplanung vereinen. Inzwischen war Holzer im Management für die Bereiche Aus- und Weiterbildung, Controlling und Produktmanagement mit rund 1.500 Mitarbeitenden verantwortlich. Der enorme Zeitaufwand belastete das Familienleben.
So fiel schließlich der Entschluss, nach Ottenschlag zurückzukehren und den elterlichen Betrieb zu übernehmen. „Das war die absolut richtige Entscheidung, die ich nie bereut habe“, betont Holzer heute. Parallel dazu begannen auch seine ersten Aktivitäten im Wirtschaftsbund und in der Gemeindepolitik.
„Menschen haben um eine Arbeit geweint“
Der Auslöser dafür sei ein einschneidendes Erlebnis während seiner Zeit in Deutschland gewesen. „1979/80 eröffneten wir drei Salons in Ostfriesland, und ich war für die Personalsuche zuständig“, erzählt er. Normalerweise gab es fünf bis zehn Bewerber pro Standort – doch plötzlich standen 50 Menschen vor der Tür. „Ich bin fast vom Sockel gefallen. Erst dadurch habe ich erfahren, wie hoch die Arbeitslosigkeit in der Region war, weil die Fischerei- und Werftindustrie in einer Krise steckte. Die Menschen haben vor mir wirklich um eine Arbeit geweint.“
Dieses Erlebnis war prägend und motivierte ihn später, selbst in Wirtschaft und Politik aktiv zu werden – um dazu ein wenig beizutragen, dass ähnliche Szenarien im Waldviertel gar nicht erst entstehen. Auch nach seiner Rückkehr nach Österreich blieb sein Tatendrang daher ungebrochen.
Für seinen Einsatz erhielt er zahlreiche Auszeichnungen – etwa den Berufstitel Kommerzialrat, die Goldene Ehrennadel des Wirtschaftsbundes Niederösterreich oder den „Heilige Kosmas“, die höchste Auszeichnung der Bundesinnung der Friseure. Das Goldene Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich ist im Hause Holzer also in bester Gesellschaft.
Seitens der Marktgemeinde Ottenschlag gratulierte Bürgermeister Paul Kirchberger zum erworbenen Ehrenzeichen.

