Review:„Kaffeehausg’schichten“

Veröffentlicht von ottenschlag am

Hervorragendes Kabarett mit vielen witzigen Pointen bot die Waldviertler Kammerbühne am 20. Februar in den „Kaffeehausg’schichten“

Im Kaffeehaus erzählt der Herr Sektionschef (Michael Türk) dem Herrn Kammersänger (Johann Radon) von seinem Italien-Urlaub, den er bei einem Schüttelreim-Preisausschreiben gewonnen hat, und versucht, sein Gegenüber von der Schüttelreimkunst zu überzeugen. Als er noch mit seiner weiblichen italienischen Bekanntschaft prahlt, singt ihm der Kammersänger – begleitet auf seiner Gitarre – das witzige Lied „Bella Venezia“ von Pirron und Knapp vor.

Der geistig etwas beschränkte Ober Franz wird gespielt von Intendant Michael Mittermeir, der sich diese Rolle perfekt auf den Leib geschrieben hat. Das beweist er erstmals, als der Sektionschef mit ihm über Wirtschaft reden will, indem er Wörter durch falsche Betonung komplett missversteht – wie im bekannten Beispiel der „Blumeto-Pferde“ (Blumentopf-Erde). Ähnliches setzt sich fort bei der Diskussion mit dem Kammersänger über die Oper, bis dieser entnervt meint: „Der macht mich ganz fertig!“ Vor seinem Gang in die Oper gibt er noch das Lied „In einem kleinen Café in Hernals“ zum Besten.

Als Sektionschef Michael Türk dem Ober Michael Mittermeir eine Kleinkreditaktion empfehlen will und dieser fragt, woher das Geld käme, folgen die vergeblichen Erläuterungen des Welthandels, die beim Ober nur einfältige Reaktionen hervorrufen. Mit einer zu dritt geführten Diskussion über die Ehe geht es in die Pause.

Auch im zweiten Teil gibt es für das zahlreich erschienene Publikum bei den häufigen Missverständnissen und Wortspielereien viel zu lachen. So ist beispielsweise die Börse für Ober Franz nur eine Straßenbahnhaltestelle in Wien. Als ihm der Herr Sektionschef den Tauschhandel am Beispiel „ein Anzug vom Schneider gegen 5000 Salzstangerl vom Bäcker“ erklären will, kommt es sogar zum Streit, den Kammersänger Johann Radon mit einem Lied beendet.

Schließlich verzweifelt der Sektionschef beim Versuch, dem Ober Eselsbrücken für schwierige Begriffe beizubringen, und bittet daher den Herrn Kammersänger um ein aufheiterndes Lied. Dieser erfüllt ihm den Wunsch mit Georg Kreislers witziger „Telefonbuchpolka“, wofür er viel Applaus erntet. Nachdem Ober und Kammersänger über die Tariferhöhung der Bundesbahnen philosophieren, meint Letzterer: „Wir machen jetzt Schluss, weil das halte ich nicht mehr aus!“ Doch Franz hätte noch gern ein Abschlusslied, worauf der „Sperrstund-Blues“ vom Trio Wien, das hier am 4. März zu Gast ist, folgt. Der Forderung des begeisterten Publikums nach einer Zugabe kommen die drei begnadeten Schauspieler mit Georg Danzers „Jö schau“ nach.

Für dieses unterhaltsame Kabarett gibt es noch vier weitere Vorstellungen, nämlich am 5. März, 15. April und 7. Mai – jeweils um 19:30 Uhr – sowie am 29. Mai um 15 Uhr. Kartenbestellungen: www.kammerbuehne.at oder Tel. 02872/61221.           

Foto und Bericht: Reinhard Hofbauer/NÖN

Die „Kaffeehausg’schichten“ wurden gespielt von „Sektionschef“ Michael Türk (l.), „Kammersänger“ Johann Radon und „Ober Franz“ Intendant Michael Mittermeir – im Bild mit Intendant-Stellvertreterin Alexandra Jäger.

Kategorien: Allgemein

familienfreindliche-region
abstand